Champagner - Frühling im Glas....

… das stimmt selbstverständlich auch für Champagner - und besonders für Champagner, der zum Großteil oder zur Gänze aus Chardonnay besteht. Aber beginnen wir vorerst mit Basisinformationen zum Wein, zum Anbaugebiet, zu den Rebsorten.

Vorweg ein kurzer Einstieg in die Welt des Champagners. Champagner ist immer Wein aus der Champagne, hauptsächlich perlend als Schaumwein - Champagner wie wir ihn kennen - aber auch stiller weißer und roter Wein. Selbstverständlich wird schon seit Jahrhunderten Wein in der Champagne angebaut. Seit dem frühen Mittelalter wird Wein angebaut, Wein der nicht anders schmeckte als der Wein aus den übrigen Weinbaugebieten Frankreichs. Im 17. Jahrhundert kam es erstmals zur Besonderheit im Weinbau in der Champagne, es wurde aus roten Trauben weißer Wein gepresst. Somit waren alle vergorenen Weine weiß. Danach erfolgte die Vermählung der Weine, die ursprünglich in Eichenfässern verschickt und erst von den Käufern - zumeist Engländern - umgefüllt wurde. Dies war jedoch noch immer stiller Wein. Dieser stille Wein wurde dann mit Zucker versetzt und dabei setzte die zweite Gärung ein. Die Kohlensäure, die dabei entstand, blieb in der Flasche und es entstand dieser perlende Wein, den die ganze Welt so liebt.

Somit ist Champagner so wie wir ihn lieben eine englische Erfindung. Um 1728 wurde erstmals der Verkauf in Flaschen erlaubt und auch schon die ersten Handelshäuser in der Champagne gegründet. Beispielsweise das Haus Ruinart im Jahr 1729. Der Weinhandel in der Champagne wird noch immer von den großen Handelshäusern dominiert. Ungefähr 80 Prozent der erzeugten Menge wird von ihnen vermarktet. Sie besitzen jedoch nur ungefähr 10 Prozent der Rebfläche. Der Großteil wird zugekauft, und zwar von den etwa 15.000 Weinbauern in der Champagne. Nur wenige Winzer vinifizieren und vermarkten ihren eigenen Champagner.

Die Champagne umfasst mit rund 33.000 Hektar Rebfläche ungefähr die Größe des Weinbaugebietes Weinviertel. Die gesamte Rebfläche ist zu je einem Drittel mit Chardonnay, Pinot Noir und Pinot Meunier bepflanzt. Ungefähr 1% der Rebfläche ist auch mit den Burgundersorten Pinot Blanc  und Pinot Gris aber auch mit den Rebsorten Petit Meslier und Arbane bepflanzt.

Die Hauptanbaugebiete in der Champagne
Die Montagne de Reims ist ein ungefähr 7.000 Hektar großes Gebiet südlich von Reims. Es werden alle drei Rebsorten angebaut. In den Grand Cru Gemeinden Bouzy und Ambonnay wird Großteils Pinot Noir angebaut. Der Chardonnay wächst beispielsweise in Villers-Marmery und Pinot Meunier in Gueux unweit von Reims.

Das Marnetal - Vallée de la Marne - ist das größte Anbaugebiet in der Champagne. Östlich von Epernay wird in den bekannten Gemeinden AY und Tours-sour-Marne zumeist Pinot Noir angebaut. Im übrigen Anbaugebiet ist der Pinot Meunier die am meisten angebaute Rebsorte.

Die Côte de Bar liegt im Süden der Champagne. Es wird zumeist Pinot Noir angebaut jedoch gibt es auch Gemeinden, die durch den hohen Kreideanteil im Boden der Côte de Blancs sehr ähneln, wie z.B. das Anbaugebiet um der Gemeinde von Montgueux. Die Gebietsausweitung in der Champagne erfolgt in dieser Region. Die Champagne rückt sozusagen dem Chablis immer näher.

Die Côte de Blancs liegt südlich von Epernay und in diesem Weinbaugebiet wird zumeist Chardonnay angebaut. Die Rebsorte Chardonnay nimmt ungefähr 27 Prozent der Rebfläche der Champagne ein - jedoch ist diese Sorte heiß begehrt. Chardonnay sorgt für Frische und Eleganz in den Cuvées und als Blanc de Blancs - reinsortiger Chardonnay - stellt dieser Champagner ein ganz besonderes Geschmackserlebnis dar.


Frühling im Glas
….heißt frische knackige Champagner - und welche Rebsorte in der Champagne kann dies besser erzielen als der Chardonnay. Der Chardonnay verleiht dem Champagner zumeist Feinheit, Leichtigkeit, Eleganz und Frische. Die Weine sind aufgrund des ausgeprägten Säuregerüsts äußerst lagerfähig. Blanc de Blancs die mehr als 20 Jahre auf der Hefe gelagert wurden sind noch immer äußerst frisch und jung, jedoch mit reiferem Geschmacksspektrum.

Diese Rebsorte liebt mineralischen Boden, je mehr Kreide desto mineralischer und eleganter. Somit ist die Côte de Blancs prädestiniert für diese Rebsorte. Champagner wächst über einer dicken Kreideschicht, darüber befindet sich etwas Humus und Lehm. Die Rebwurzeln durchdringen diese Schicht und gelangen zum kreidigen Untergrund. Dieser bewirkt zweierlei. Die Kreide behält die Feuchtigkeit zurück, lässt aber auch das überschüssige Wasser ablaufen. Im trockenen Sommer hat sie somit noch genug Feuchtigkeit und darüber hinaus wird die Wärme des Tages gespeichert.  Im Süden der Champagne ist der Boden anders. Die Lehmschicht ist dicker. Jedoch gibt es auch hier Ausnahmen. Die Gemeinde Montgeux liegt an einem Hügel und dieser Hügel besteht aus feinstem Kreideboden und in dieser Gemeinde wird fast nur Chardonnay angebaut. Dieser Chardonnay ist Chardonnay vom feinsten. Er ist mineralisch, elegant, konzentriert und weiniger als der aus der Côte de Blancs.

Wie schmeckt nun dies elegante Getränk? Anbei drei Verkostungsnotizen von namhaften Winzern in der Champagne. Zwei davon aus der Côte de Blancs und einer aus Montgeux.

Der Klassiker
CHAMPAGNE GRAND CRU TERROIR
Agrapart et Fils – Avice

Dieser Champagner ist eine Chardonnay-Cuvée, wobei die Trauben zu einem Drittel aus dem Jahr 2002 und zwei Drittel aus dem Jahr 2003 stammen.

Helles Gelb mit weißen Reflexen und lebhafter, feinster Perlage. In der Nase zarter Duft nach frischen weißen Früchten. Am Gaumen ist er frisch, knackig, gut strukturiert, fein und lang anhaltend. Eine ausgeprägte Frische – aufgrund der geringen Dosage – und eine dezente Frucht nach Vanille und Brioche zeichnen diesen Champagner ebenfalls aus!

Ein Aperitif für alle Gelegenheiten, der das ganze Jahr viel Freude bereitet. Aber auch zu Fischvorspeisen und Gerichten mit zarten asiatischen Gewürzen harmoniert dieser Champagner wunderbar.

Die Brüder Pascal und Fabrice bewirtschaften diesen innovativen Betrieb und die Weinberge biologisch, jedoch ohne Zertifikat.
Die Champagner sind immer trocken und mineralisch und wenig dosiert. Sie sind darüber hinaus kraftvoll und konzentriert und betonen das Terroir.
Die Parzellen dieses Weingutes liegen zumeist in den Grand Cru Gemeinden Avice, Oger und Cramant.
In der Nachbargemeinde Cramant befindet sich die Winzerfamilie Voirin-Jumel. Das besondere an dem vorgestellten Blanc de Blancs Extra Brut ist das ausgeprägte blumige Aroma - typisch für die Gemeinde Cramant, die ungefähr 6 Kilometer von Avice auf einen Hügel liegt. Auch eine Stilistik, die besonders im Frühling viel Freude bereitet.

Knochentrocken und Blumig
Champagne Blanc de Blancs Extra Brut – Grand Cru
VOIRIN-JUMEL – CRAMANT

Die Trauben für den Blanc de Blancs ohne Jahrgang wurden 2005 und 2006 geerntet und stammen aus den besten Lagen - CRAMANT, OGER, AVICE, CHOUILLY - der Cote de Blancs.

Helles Goldgelb mit feinster, lebhafter Perlage. Ein klassischer Blanc de Blancs mit einer Aromenvielfalt  nach weißen Früchten, Pfirsichen und einen Hauch von Mandel. Am Gaumen leicht, trocken, süffig, blumig aber auch mineralische Noten. Die Chardonnay Lagen aus Cramant verleihen auch in dieser Cuvée ihren typischen blumigen Charakter – sie zeigt Rückgrad, Stärke und Cremigkeit!

Ein ausgewogener Champagner, der durch seine ausgeprägte Aromen nicht nur als Aperitif beeindruckt.
Er leitet wunderbar ein Fischmenü ein!

Kreide im Süden
Le Vignes de Montgueux
Jacques LASSAIGNE – Montgueux

Dieser Champagner ist eine Chardonnay-Cuvée, wobei die Trauben aus sieben bis neun verschiedenen Cru´s stammen.

Helles Gelb mit weißen Reflexen und lebhafter, feinster Perlage. In der Nase zarter mineralischer Duft und Anklänge nach Citrus, Vanille und Brioche. Am Gaumen ist er frisch, knackig, gut strukturiert, fein und lang anhaltend. Eine ausgeprägte Frische – aufgrund der geringen Dosage – und eine dezente Frucht nach Vanille und Brioche zeichnen diesen Champagner ebenfalls aus!

Ein Aperitif für alle Gelegenheiten, der das ganze Jahr viel Freude bereitet. Aber auch zu Fischvorspeisen und Gerichten mit  zarten asiatischen Gewürzen harmoniert dieser Champagner wunderbar.

Jacques Lassaigne bewirtschaftet ungefähr 4 Hektar in der Gemeinde Montgeux. Seine Chardonnay sind dank der frühen Reifen im Süden der Champagne wuchtig, aufgrund des Bodens mineralisch und aufgrund des Ausbaus im Holzfass komplex. Er dosiert seine Champagner immer sehr minimal und baut seine meisten Champagner als Extra Brut aus. Manche Reben sind über 45 Jahre alt - das wirkt sich auf die Komplexität aus!

Und sollte sich nun die Frage stellen, warum in diesem Beitrag keines der großen Champagnerhäuser vorkommt, ist dies recht einfach erklärt: Chardonnay ist die teuerste Rebsorte der Champagner und wird bei den großen Häusern zumeist nur im Prestigebereich ausgebaut. Darüber hinaus besteht die Cuvée von großen Häusern zumeist aus vielen Einzellagen und das Terroir ist nicht mehr erkennbar sondern es liegt das Hauptaugenmerk auf der Stilistik des Hauses.

Champagner-Genuß
Champagner ist Wein und benötigt ein Glas, das genug Raum zur Entfaltung lässt. Jahrelang auf der Suche nach dem geeigneten Glas hat  Michael Zink gemeinsam mit Lobmeyr ein Glas entworfen, das nicht nur durch sein klares Design beeindruckt sondern vielmehr ein Verkostungswerkzeug ist, das die Vorzüge des Champagners hervorhebt aber auch fehlerhafte Weine nicht verdeckt. Aufgrund dieser Eigenschaften wird dieses Glas auch von Winzern geschätzt. Sie verkosten damit ihre Grundweine um sie anschließend zu vermählen.

Die ideale Trinktemperatur von Champagner ist abhängig von der Raumtemperatur und von der Stilistik des Weins. Die empfohlene Trinktemperatur von 7 bis 9 Grad ist zumeist nur für einen einfachen Champagner die richtige Wahl. Je gehaltvoller der Wein desto größer sollte das Glas sein. Hochwertige Champagner benötigen etwa 12 bis 13 Grad, die Serviertemperatur sollte somit um 10 Grad sein, damit nach einigen Minuten die empfohlene Temperatur erreicht ist.


Ich hoffe, Ihnen die Welt der Champagner - abseits der gewohnten Pfade - in einer unkomplizierten Art beschrieben zu haben. Dies ist besonders wichtig! Champager sollte immer Spaß machen und dieser Anspruch gibt besonders beim klassischen Aperitif, der zumeist aus Chardonnay bestehen sollte.

Text: Mag. Michael Zink